Archiv & Rippen
CDs rippen: So wird die Kopie bitgenau
Eine CD in FLAC zu kopieren dauert ein paar Minuten. Ob die Kopie wirklich Bit für Bit der CD entspricht, ist eine andere Frage, denn Laufwerke überspielen Lesefehler stillschweigend. Mit dem richtigen Programm und einer einmaligen Einrichtung lässt sich das prüfen, statt es zu hoffen.
Kurz gesagt
- Ein guter Rip ist eine bitgenaue Kopie, und das lässt sich überprüfen: Datenbanken wie AccurateRip vergleichen deine Kopie mit den Rips anderer Menschen von derselben CD.
- Die Programme: XLD am Mac, Exact Audio Copy oder dBpoweramp unter Windows, whipper oder cyanrip unter Linux. Alle sind kostenlos, außer dBpoweramp.
- Einmal einrichten: Laufwerksversatz eintragen, sicheren Lesemodus wählen, AccurateRip und CUETools-Datenbank einschalten, FLAC als Ausgabe.
- Das Log entscheidet: Steht bei jedem Titel „Accurately ripped“, ist der Rip fertig und fehlerfrei.
- Ein teures Laufwerk brauchst du nicht. Ein externer USB-Brenner für 25 bis 40 € genügt, wenn das Programm sorgfältig liest.
Warum Rippen schwieriger ist, als es aussieht
Die Audio-CD stammt aus dem Jahr 1980, beschrieben im sogenannten Red Book von Philips und Sony. Sie wurde für CD-Player gebaut, nicht für Computer. Auf ihr liegt Musik als ein langer Datenstrom ohne Dateisystem, mit einer Fehlerkorrektur, die Kratzer und Staub bis zu einem gewissen Grad ausgleicht.
Reicht diese Korrektur nicht, rechnet ein CD-Player die fehlenden Stellen einfach aus den Nachbarwerten heraus. Beim Hören bemerkt man das fast nie. Viele Computerlaufwerke tun beim Auslesen dasselbe, und zwar ohne es zu melden. Ein einfaches Programm wie die Musik-App bekommt dann Daten, die plausibel aussehen, aber nicht auf der CD stehen. Das Ergebnis klingt meist unauffällig, ist aber keine exakte Kopie mehr. Bei stärker beschädigten CDs hört man Knackser, Aussetzer oder kurze Wiederholungen.
Dazu kommen zwei technische Eigenheiten:
- Laufwerks-Cache: Viele Laufwerke speichern gelesene Daten zwischen. Liest ein Programm eine Stelle zur Kontrolle ein zweites Mal, bekommt es womöglich nur die Kopie aus dem Zwischenspeicher, nicht einen neuen Lesevorgang.
- Leseversatz: Fast jedes Laufwerk beginnt ein paar Samples zu früh oder zu spät zu lesen. Klanglich spielt das keine Rolle, für einen exakten Vergleich mit anderen Rips aber schon.
Gute Ripping-Programme gehen deshalb anders vor: Sie lesen jede Stelle mehrfach, umgehen den Cache, vergleichen die Ergebnisse und prüfen die fertige Kopie am Ende gegen eine Datenbank.
Was du brauchst
Ein Laufwerk
Die meisten aktuellen Computer haben kein optisches Laufwerk mehr. Apple hat sein externes USB SuperDrive 2024 nach 16 Jahren aus dem Sortiment genommen. Externe DVD-Brenner mit USB-Anschluss gibt es von vielen Herstellern für 25 bis 40 €, und sie funktionieren am Mac und am PC ohne Treiber. Am Mac mit USB-C hilft ein einfacher Adapter. Wichtig ist nur, dass das Laufwerk genug Strom bekommt. Zieht es an einem USB-Hub nicht richtig an, schließ es direkt an.
Ein besonders teures Laufwerk bringt kaum etwas. Weil das Programm das Ergebnis prüft, merkst du sofort, wenn ein Laufwerk Probleme macht. Hilfreich ist höchstens ein zweites Laufwerk eines anderen Herstellers für schwierige CDs.
Ein Programm
| Programm | System | Preis | Prüfung | Für wen |
|---|---|---|---|---|
| XLD | Mac | Kostenlos | AccurateRip, CUETools DB | Erste Wahl am Mac |
| Exact Audio Copy (EAC) | Windows | Kostenlos | AccurateRip, CUETools DB (Plugin) | Der Klassiker, viele Einstellungen |
| dBpoweramp CD Ripper | Windows, Mac | Kostenpflichtig | AccurateRip, eigene Prüfung | Wer viele CDs bequem rippen will |
| whipper, cyanrip | Linux | Kostenlos | AccurateRip | Kommandozeile |
| Musik-App (Apple) | Mac | Vorinstalliert | Keine Datenbankprüfung | Schnell, aber ohne Nachweis |
Die Musik-App kann CDs in Apple Lossless importieren und hat eine Option für Fehlerkorrektur beim Lesen. Sie prüft das Ergebnis aber nicht gegen eine Datenbank, du weißt also nicht, ob die Kopie exakt ist. Für ein Archiv, das Jahrzehnte halten soll, lohnt sich deshalb XLD oder EAC.
Platz
Eine CD belegt als FLAC im Schnitt rund 250 bis 350 MB, je nach Länge und Musik. 500 CDs passen damit auf etwa 150 GB. Wie du das mit einer kleineren Kopie fürs Telefon kombinierst, steht im Artikel Musikbibliothek organisieren.
Einmal richtig einrichten
Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Programm und Version, die Einstellungen dahinter sind überall dieselben. Du machst sie einmal und musst danach nur noch CDs einlegen.
Laufwerksversatz (Offset)
Der Versatz wird in Samples angegeben. Ein Sample ist bei CD-Qualität 1/44.100 Sekunde, ein Versatz von +667 also rund 15 Millisekunden. Die Datenbank AccurateRip führt eine Liste mit den Versätzen tausender Laufwerksmodelle. EAC und XLD können den Wert automatisch ermitteln: Du legst eine bekannte CD ein, das Programm gleicht sie mit der Datenbank ab und trägt den passenden Wert ein. Ohne korrekten Versatz klingt der Rip genauso, lässt sich aber nicht mit anderen Rips vergleichen.
Sicherer Lesemodus
Jedes gute Programm hat einen Modus, der sorgfältig statt schnell liest. In XLD heißt er „XLD Secure Ripper“, in EAC „Sicherer Modus“ beziehungsweise „Secure Mode“. Wichtige Begleiteinstellungen:
- Cache umgehen: EAC kann selbst erkennen, ob das Laufwerk Audiodaten zwischenspeichert, und das ausgleichen. XLD bringt dafür im Secure Ripper eigene Mechanismen mit.
- Prüfen und kopieren: In EAC liest „Test & Copy“ jeden Titel zweimal und vergleicht die Prüfsummen. Das kostet die doppelte Zeit, liefert aber auch bei CDs, die keine Datenbank kennt, einen guten Nachweis.
- C2-Fehlerinformationen: Manche Laufwerke melden unsichere Stellen selbst. Das kann das Rippen beschleunigen, ist aber nicht bei allen Laufwerken zuverlässig. Im Zweifel ausgeschaltet lassen, die Datenbankprüfung ist der sicherere Nachweis.
Prüfdatenbanken
Schalte beide ein, wo es geht:
- AccurateRip sammelt seit vielen Jahren Prüfsummen von Rips aus aller Welt. Stimmt deine Prüfsumme für einen Titel mit denen anderer überein, ist der Titel fehlerfrei. Die „Confidence“ gibt an, wie viele andere Rips mit deinem übereinstimmen.
- CUETools-Datenbank (CTDB) geht einen Schritt weiter: Sie speichert zu jeder CD zusätzlich kleine Reparaturdaten. Damit lassen sich kleinere Lesefehler nachträglich korrigieren, laut Projekt im besten Fall ein zusammenhängender Schaden von 30 bis 40 Sektoren, also etwa einer halben Sekunde.
Ausgabe: Format, Namen, Tags
- Format: FLAC, Kompressionsstufe 5 bis 8. Die Stufe ändert nur Größe und Zeit, nie die Qualität. Wer ausschließlich im Apple-Umfeld bleibt, kann ALAC wählen. Warum diese beiden die richtige Wahl sind, steht in Musik-Dateiformate erklärt.
- Dateinamen: zum Beispiel
Albuminterpret/Album (Jahr)/01 Titel.flac, bei Mehrfach-CDs mit CD-Nummer davor. - Tags: Die Programme erkennen die CD anhand ihres Inhaltsverzeichnisses und holen Titel, Interpreten und Jahr aus Online-Datenbanken wie MusicBrainz. Prüf die Daten vor dem Start. Besonders Albuminterpret und Schreibweisen lohnen einen Blick, denn sie entscheiden später, ob dein Player das Album als eines erkennt.
- Cover: eingebettet, 1.000 bis 1.500 Pixel reichen. Größere Bilder kosten in jedem Titel Platz.
Pausen zwischen den Titeln
Auf einer CD können zwischen zwei Titeln Pausen liegen, die zum vorherigen oder nächsten Titel gehören. Für Einzeldateien hängen die Programme diese Pausen standardmäßig ans Ende des vorherigen Titels. Spielt dein Player die Titel lückenlos ab, entsteht so derselbe Ablauf wie auf der CD, auch bei Live-Alben und durchgehenden Konzeptalben. Wer die CD später exakt wieder brennen will, lässt zusätzlich eine CUE-Datei schreiben, die alle Pausen und Indexmarken beschreibt.
Ein Sonderfall sind versteckte Titel vor dem ersten Track, im Englischen „Hidden Track One Audio“. Sie liegen in der Pause vor Titel 1 und werden von einem normalen Player nur gefunden, wenn man vom Anfang des ersten Titels zurückspult. EAC und XLD können solche Bereiche erkennen und als eigene Datei speichern, nicht jedes Laufwerk kann sie aber lesen.
Ein Rip Schritt für Schritt
- CD prüfen und reinigen. Fingerabdrücke und Staub mit einem weichen, fusselfreien Tuch abwischen, und zwar gerade von innen nach außen, nicht im Kreis. Kreisförmige Kratzer folgen der Datenspur und sind schwerer zu korrigieren.
- Einlegen und Metadaten prüfen. Das Programm zeigt die erkannten Titel. Korrigiere Albuminterpret, Albumtitel und Jahr, bevor du startest.
- Rippen starten. Im sicheren Modus dauert eine gut erhaltene CD meist wenige Minuten bis etwa eine Viertelstunde. Beschädigte CDs können deutlich länger brauchen, weil das Programm problematische Stellen immer wieder liest.
- Log prüfen. Jeder Titel sollte als fehlerfrei bestätigt sein. Wie du die Meldungen deutest, steht im nächsten Abschnitt.
- Log aufbewahren. Speichere die Log-Datei im Albumordner. Sie ist dein Nachweis, dass die Kopie geprüft wurde.
Das Log lesen
Am Ende schreibt jedes gute Programm ein Protokoll. Die Formulierungen unterscheiden sich, die Bedeutung ist dieselbe:
| Meldung | Bedeutung | Was tun |
|---|---|---|
| Accurately ripped (confidence 12) | Der Titel stimmt mit 12 anderen Rips überein. Fehlerfrei. | Nichts, fertig. |
| Accurately ripped (confidence 1) | Ein anderer Rip stimmt überein. Sehr wahrscheinlich fehlerfrei. | Nichts. Bei seltenen CDs ist das normal. |
| Not present in AccurateRip database | Niemand hat diese Pressung bisher eingetragen. | Auf Test- und Kopier-Prüfsumme achten. Stimmen beide überein, ist der Rip sehr wahrscheinlich korrekt. |
| Cannot be verified as accurate | Die Prüfsumme weicht von allen bekannten ab. | CD reinigen und neu rippen, CTDB-Reparatur versuchen, anderes Laufwerk nehmen. |
| Suspicious position, Read error | Das Laufwerk konnte eine Stelle nicht sicher lesen. | Betroffenen Titel neu rippen und anhören. |
Ein häufiger Grund für „nicht in der Datenbank“: Es gibt mehrere Pressungen derselben CD, etwa aus verschiedenen Ländern oder Jahren, die leicht unterschiedlich gemastert oder versetzt sind. Deine Pressung kann einfach noch nicht erfasst sein. Gute Programme melden in diesem Fall manchmal, dass der Rip zu einer anderen Pressung mit Versatz passt. Auch das gilt als bestätigt.
Kratzer, Sonderfälle, Kopierschutz
Zerkratzte CDs
Die Reihenfolge, die sich bewährt hat: reinigen, im sicheren Modus rippen, bei Fehlern mit der CUETools-Datenbank reparieren, und wenn das nicht reicht, ein anderes Laufwerk versuchen. Laufwerke verschiedener Hersteller lesen schwierige Stellen oft unterschiedlich gut. Polieren mit Spezialgeräten hilft manchmal, kann aber auch schaden. Es lohnt sich erst, wenn alles andere versagt und die CD ohnehin nicht zu ersetzen ist. Eine gebrauchte zweite Ausgabe kostet oft weniger Zeit.
Gebrannte CD-Rs
Selbst gebrannte CDs altern deutlich schneller als gepresste. Wer alte CD-Rs hat, etwa von Konzertmitschnitten oder Demos, sollte sie bald rippen. Sie sind in keiner Datenbank, hier zählen sicherer Modus und doppeltes Lesen.
Pre-Emphasis
Einige frühe CDs aus den 1980ern sind mit einer Höhenanhebung aufgenommen, die der CD-Player beim Abspielen wieder ausgleicht. Ein Kennzeichen auf der CD sagt ihm, dass er das tun soll. Viele Ripping-Programme kopieren die Daten korrekt, ignorieren aber das Kennzeichen. Das Ergebnis klingt dann zu hell und scharf. EAC und dBpoweramp zeigen das Kennzeichen an. Betroffene Rips lassen sich nachträglich mit einem De-Emphasis-Filter korrigieren, etwa mit dem kostenlosen Kommandozeilenprogramm SoX und seinem Effekt deemph. Am besten bewahrst du dann den unveränderten Rip und die korrigierte Fassung auf.
Kopiergeschützte CDs
Etwa zwischen 2001 und 2006 brachten Labels CDs mit Kopierschutz heraus, oft mit Logos wie „Copy Control“. Technisch verletzten viele davon den CD-Standard und liefen in manchen Playern gar nicht. Ein berüchtigter Fall war 2005 die Kopierschutz-Software von Sony BMG, die sich unbemerkt tief in Windows installierte und nach öffentlicher Kritik zurückgerufen wurde. Für das Rippen in Deutschland ist wichtig: Einen wirksamen Kopierschutz darfst du nicht umgehen, auch nicht für eine Privatkopie. Bei solchen CDs ist ein regulärer Download oft der einfachere Weg.
Ist das erlaubt?
In Deutschland ja, für den privaten Gebrauch: § 53 des Urheberrechtsgesetzes erlaubt einzelne Kopien von CDs ohne Kopierschutz, die dir gehören. Verkaufen, verschenken oder öffentlich teilen darfst du die Kopien nicht. In anderen Ländern gelten andere Regeln. Mehr dazu und zu Alternativen wie DRM-freien Downloads steht im Artikel über ein eigenes digitales Musikarchiv.
Nach dem Rip
- Tags und Cover kontrollieren, am besten einmal pro Album im Player. Doppelte Albumkacheln sind fast immer ein Zeichen für uneinheitliche Albuminterpreten.
- Sichern. Ein Rip, der nur auf einer Festplatte liegt, ist bei deren Ausfall weg. Die 3-2-1-Regel und wie man Dateien per FLAC-Prüfsumme kontrolliert, beschreibt der Archiv-Artikel.
- Hören. In Luma für Mac fügst du den Ordner mit deinen Rips einfach hinzu, ohne dass etwas kopiert wird. Aufs iPhone kommen die Alben mit Luma Transfer per WLAN oder Kabel, inklusive Tags und eingebetteter Cover.
Häufige Fragen
Klingt eine gerippte CD schlechter als das Original?
Nein. Ein Rip, der von AccurateRip bestätigt ist, enthält exakt dieselben Audiodaten wie die CD. In FLAC oder ALAC gespeichert, bleibt das auch so. Klanglich identisch ist er also, und anders als die CD nutzt er sich beim Abspielen nicht ab.
Welches Programm eignet sich am Mac zum CD-Rippen?
XLD ist kostenlos, rippt in FLAC oder ALAC und prüft das Ergebnis gegen AccurateRip und die CUETools-Datenbank. Die Musik-App von Apple kann CDs zwar auch importieren, prüft die Kopie aber nicht gegen eine Datenbank.
Brauche ich ein besonderes CD-Laufwerk?
Nein. Ein günstiger externer USB-Brenner reicht. Weil das Ripping-Programm jede Kopie prüft, merkst du sofort, wenn ein Laufwerk eine CD nicht sauber liest. Für schwierige CDs kann ein zweites Laufwerk eines anderen Herstellers helfen.
Was bedeutet der Laufwerksversatz beim Rippen?
Fast jedes Laufwerk beginnt ein paar Samples zu früh oder zu spät zu lesen. Klanglich spielt das keine Rolle, aber ohne korrekten Versatz stimmen die Prüfsummen nicht mit denen anderer Rips überein. XLD und EAC ermitteln den Wert automatisch mit einer bekannten CD.
Was tun, wenn meine CD nicht in AccurateRip ist?
Dann im sicheren Modus mit doppeltem Lesen rippen und die beiden Prüfsummen im Log vergleichen. Sind sie gleich und meldet das Programm keine Lesefehler, ist der Rip sehr wahrscheinlich korrekt. Wenn du magst, trägst du deinen Rip selbst in die Datenbank ein, das machen die Programme auf Wunsch automatisch.
Quellen
- AccurateRip, Datenbank für Prüfsummen von CD-Rips und Laufwerksversätze. accuraterip.com
- CUETools Wiki: CUETools Database (CTDB), Prüfung und Reparatur von Rips. cue.tools/wiki/CTDB
- XLD (X Lossless Decoder), offizielle Projektseite. tmkk.undo.jp/xld/index_e.html
- Exact Audio Copy, offizielle Projektseite. exactaudiocopy.de
- Apple nimmt das USB SuperDrive aus dem Sortiment (9to5Mac, August 2024). 9to5mac.com/2024/08/05/apple-superdrive-discontinued
- Archimago: CD pre-emphasis and dealing with it (2020). archimago.blogspot.com
- Urheberrechtsgesetz, § 53 und § 95a. gesetze-im-internet.de/urhg/__53.html
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